© Peter Georgas-Frey
Das Bücher und Literatur in meinem Leben irgendwann eine wichtige Rolle spielen war in meiner Kindheit und
Jugend nicht abzusehen. Grimms Märchen, ein paar Geschichten der „Drei Fragezeichen“ und einige Hörspiele
waren alles, was mich bis zu meinem 17. Lebensjahr beschäftigte. Eine einzige, aber nachhaltige Ausnahme spielte
„Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf die ich, mit etwa vierzehn Jahren, in einer Phase passenden
Liebeskummer las. Sie gab mir eine erste Ahnung, was Literatur bewirken kann. Es sollte aber noch mal drei Jahren
dauern bis ich, in erster Linie durch die Geschichten Stephen Kings, Freude am Lesen fand.
Somit hatte ich zwei wichtige Dinge über Bücher gelernt: sie können bei der Lebensbewältigung helfen und sie sollten Spaß
machen. Selbst Geschichten zu schreiben, traute ich mir nicht zu. Ich glaubte weder Phantasie noch eine ausreichende
Rechtschreibung zu besitzen, um das zu wagen. Meine miserablen Deutsch-Noten bestätigten diesen Eindruck. Dass ein
guter Lektor sehr viel retten kann, daran dachte ich nicht.
In den nächsten Jahren jedoch änderten Bücher, in erster Linie die von Hermann Hesse, Albert Camus und Friedrich Nietzsche
wesentlich mein Leben. Ich hörte auf zu zweifeln und begann meine Gedanken und Ideen nieder zu schreiben, ohne Zensur
und Deutschlehrer im Kopf, sondern allein mir zu Liebe. Das ging gute zehn Jahre.
Mittlerweile hatte ich in Nietzsches „Menschliches, Allzumenschliches“ einen schönen und Mut machenden Gedanken entdeckt:
„Redet nur nicht von Begabung, angeborenen Talenten! Es sind große Männer aller Art zu nennen, welche wenig begabt
waren (…) sie hatten alle jenen tüchtigen Handwerker-Ernst, welcher erst lernt, die Teile vollkommen zu bilden, bis
er es wagt, ein großes Ganzes zu machen. (…) lasse man einige zehn Jahre vorübergehen: was dann aber
in der Werkstätte geschaffen wird, darf auch hinaus in das Licht der Straße.“
(„Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller“; Aphorismus 163)
Meine Vita oder was lange währt...: